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BUCHEMPFEHLUNG: Am Fusse der Festung

Im März erschien das Buch «Am Fusse der Festung – Begegnungen vor Europas Grenze» von Johannes Bühler. Es porträtiert das Leben von fünfzehn Migrant_innen, die auf ihrer Flucht aus Afrika in Marokko hängen bleiben, zeichnet ein Bild ihrer Herkunftsländer, ihrer Fluchtwege und des Leides, das sie in Marokko erfahren.Zurzeit wird jede Woche über Unglücke im Mittelmeer berichtet, bei denen Flüchtlinge aus Nordafrika kommend bei ihrer Überfahrt in Not geraten und ums Leben kommen. Diese Nachrichten gehören zu den «bad news», bei denen wir am liebsten weghören oder auf die wir durch stetes Wiederholen unempfänglich zu werden drohen. Die Fotos der Gestrandeten zeigen vielfach die betroffenen Migrant_innen als anonyme Menschengruppen ohne Gesicht. Das Buch von Johannes Bühler versucht, dem entgegen zu wirken, indem es 15 solcher Menschenschicksale einfühlsam und eindrücklich wiedergibt. Die Frauen und Männer stammen aus der Elfenbeinküste, Marokko, Kongo, Nigeria, Senegal, Kamerun, Gambia und wollen alle nach Europa gelangen. Ihr Aufenthalt in Marokko ist meist ein Zwischenhalt, der sich aber manchmal über Jahre hinzieht. Die meisten berichten von dramatischen Ereignissen in ihren Herkunftsländern, Kriegswirren oder politischer Verfolgung, die sie zur Flucht zwingen. Andere wollen aber auch, wie der Marokkaner Amin, der Korruption und der Perspektivlosigkeit ihres Daseins in ihrer Heimat entkommen.
Wir können die Mühen und Leiden, die die Menschen in der Wüste, in den Gefängnissen, in den Slums, in den Schiffen und auf Bussen durchmachen, kaum erfassen und wenn wir es dennoch versuchen, grenzt schon allein die Vorstellung ans Unerträgliche. Stärker als alles Leid ist aber fast immer die Hoffnung; ihre Hoffnung darauf, dass die Überfahrt nach Europa doch gelingen werde und danach das Ende der Qualen sicher sei. Wie weit sie da von der Realität entfernt sind, wäre ein anderes Buch wert. Farbige Aquarelle porträtieren jeden einzelnen Betroffenen. Der von Marina Grimme schön gestaltete Umschlag enthält in den Innenseiten Landkarten, um die Irrwege durch Afrika geographisch mitverfolgen zu können. In den Übergängen zwischen den einzelnen Porträts erklärt der Autor, wie er mit den Menschen in Kontakt kam, und er gibt zahlreiche Hintergrundinformationen über die Migrationspolitik Europas. Marokko ist mit der Militarisierung und dem Ausbau der Überwachung seiner Grenze zu einem zentralen Teil der Abschottungspolitik Europas geworden.
«In Marokko sind die MigrantInnen täglich rassistischen Übergriffen, Misshandlungen durch die Polizei und existenziellen Nöten ausgesetzt. Denn seit zehn Jahren übernimmt Marokko die Rolle des Polizisten an der Grenze Europas. Bezahlt wird das Königreich für die Kooperation mit Entwicklungshilfegeldern und Handelsliberalisierungen. So floss von 2007 bis 2013 mehr als eine Milliarde Euro im Rahmen der Europäischen Nachbarschaftspolitik nach Marokko – so viel wie sonst in kein anderes Land. Das geplante Rückübernahmeabkommen ist ein zentrales Puzzleteil in der europäischen Strategie, seine Grenzen nach aussen zu drängen und die Verantwortung für die Schicksale der Reisenden anderen zu überlassen. Marokko reagiert darauf mit dem Bau eines 450 Kilometer langen Stacheldrahtzaunes an der Grenze zu Algerien. Das Problem wird weiter in die Wüste abgedrängt. Dorthin, wo es niemand mehr sieht. Gleichzeitig wurde die staatliche Gewalt gegen Migrierende seit dem diplomatischen Durchbruch wesentlich brutaler. So dokumentierten die Ärzte ohne Grenzen im Frühjahr 2013 eine massive Zunahme von Toten und Verletzten als Folge der Gewalt an der Grenze und der Razzien in den Camps.»1
Ich empfehle den Leser_innen von Archipel unbedingt dieses Buch zu lesen. Eine Bestellkarte liegt der Zeitung bei. Das Buch kann in der Schweiz beim EBF oder bei Solidarité sans frontières in Bern bestellt werden. In anderen Ländern kann es im Buchhandel, beim Schmetterling Verlag oder im Internet bestellt werden.


Am Fusse der Festung, Begegnungen vor Europas Grenze, Johannes Bühler (Text) Marina Grimme (Illustration), März 2015, Schmetterling Verlag, Stuttgart, 304 Seiten, 15 Farbillustrationen
19.80 Euros, 28 CHF (Porto inbegriffen)

1. Auszug aus der Präsentation auf: www.am-fusse-der-festung.eu

 

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Archipel

Dieser Text stammt aus dem Archipel

Ausgabe: 237 (05/2015)

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Oktober 2017


Okt 2017
22
16:00
Buchlesung in Basel mit Emmanuel Mbolela

MEIN WEG VOM KONGO NACH EUROPA
Zwischen Widerstand, Flucht und Exil; mit dem Autor Emmanuel Mbolela
Basel, Longo maï-Haus, St. Johanns-Vorstadt 13, Lesung in französischer Sprache mit deutscher Übersetzung
Flyer hier

Okt 2017
24
20:15
Buchlesung in St.Gallen mit Emmanuel Mbolela

MEIN WEG VOM KONGO NACH EUROPA
Zwischen Widerstand, Flucht und Exil; mit dem Autor Emmanuel Mbolela
St.Gallen, Palace, Zwinglistr. 3, Lesung in französischer Sprache mit deutscher Übersetzung
Flyer hier

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