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EDITORIAL: 25 Jahre Europäisches BürgerInnenforum.

Im November 1989 fiel die Berliner Mauer. Es sollte das Ende des «Kalten Krieges» sein. Einen Monat danach gründeten wir das Europäische BürgerInnenforum, das «EBF».
Im Sommer 1990 fanden sich vierhundert Menschen aus Ost und West zum ersten EBF-Kongress in Limans (Südfrankreich) ein. Ziel dieser Versammlung und aller darauf folgenden war es, direkte Verbindungen zwischen Bürger_in-nen aus dem Osten, dem Westen, dem Süden und dem Norden herzustellen, um gemeinsam neue Formen eigenständiger Entwicklung zu schaffen, die weder dem Mechanismus des bürokratischen Zentralismus noch jenem des zügellosen «freien» Marktes unterliegen.
Endlich konnten wir mit Menschen, die hinter dem «Eisernen Vorhang» gelebt hatten, zusammen kommen und mit so manchen von ihnen Projekte planen und durchführen. Viele neue Freundschaften entstanden.
Die «Ossis» hatten andere Erfahrungen gemacht als wir. Sie erzählten uns, dass sie im Alltag – oft auf sehr kreative Art – gegen die bürokratische Willkür Widerstand geleistet hatten und den «real existierenden Sozialismus» nicht nur – wie nach westeuropäischer Propaganda anzunehmen war – erduldet, sondern einiges daran sogar genossen hatten. (Vielleicht kommt «Genosse» ja doch von «genießen»!) Wir waren jedenfalls neugierig darauf, diese Genoss_innen und Genossen kennen zu lernen. Sie waren auch auf uns gespannt, weil wir – ohne Parteizugehörigkeit – den Westen mit seiner imperialistischen Politik, seinem neoliberalen Wirtschaftssystem und dessen katastrophalen ökonomischen und sozialen Konsequenzen kritisierten.
Durch unsere Zusammenarbeit entstanden Projekte, in Mecklenburg-Vorpommern, in Transkarpatien (Westukraine), im ehemaligen Jugoslawien und in Rumänien.
Die Berliner Mauer war gefallen, die Festung Europa hingegen wurde ausgebaut. Der Krieg hat sich verlagert. Die tödlichen Mauern stehen heute woanders. Sie sind nicht überall aus Stein. Oft sind sie aus Stacheldraht, aus nationalistischer Hetzpropaganda, aus Polizeigewalt, in der Wüste oder im Mittelmeer...
Im Laufe der Jahre haben wir unseren Schwerpunkt auf die Denunzierung der unmenschlichen Bedingungen für Immigrant_in-nen in der industriellen Obst- und Gemüseproduktion gelegt. Diese Menschen kommen zumeist aus afrikanischen, lateinamerikanischen oder osteuropäischen Ländern. Wir unterstützen sie beim Kampf für ihre Rechte und bessere Arbeits- und Lebensbedingungen. Auch andere Industriezweige, wie z.B. die Holzindustrie zur Energiebeschaffung, funktionieren heute auf der Basis sowohl von Ausbeutung billiger Leiharbeiter_innen aus dem Osten als auch der Zerstörung der Wälder – hier und dort. Damit dieses Wirtschaftssystem weiter florieren kann, werden ganze Regionen, Dörfer und Wälder von der Industrie aufgekauft – und die nötigen rechtlosen Arbeitskräfte gleich dazu. Dagegen wehren wir uns!
Vor 25 Jahren unternahmen wir unsere erste Reise in die Ukraine – heute arbeiten wir dort mit Menschen zusammen, die versuchen in einer äußerst schwierigen, von Machtinteressen bestimmten Situation einen klaren Kopf zu behalten und positive Initiativen zu ergreifen. Dazu in dieser Nummer ein ausführliches Interview mit einem von ihnen.
Seit zweieinhalb Jahrzehnten sind wir dabei, mit engagierten Menschen und Gruppen aus verschiedenen Ländern ein «Europa von unten» aufzubauen. Viele von Euch, liebe Leserinnen und Leser, unterstützen uns dabei!

verfasst von Constanze Warta,  22.12.2014, eingestellt von ute
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Archipel

Dieser Text stammt aus dem Archipel

Ausgabe: 232 (12/2014)

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