TRANSNATIONAL: Les Peuples Veulent

von Mila & Lisa, 06.10.2026, Veröffentlicht in Archipel 362

Im Juli 2026 trafen sich etwa sechzig Personen – Aktivist·innen, Exilant·innen und Angehörige von Diasporagemeinschaften aus Frankreich, Belgien und der Schweiz – für fünf Tage im Mas de Granier, einem Bauernhof von Longo maï in der südfranzösischen Crau-Ebene zum dritten Treffen des Netzwerks «Les Peuples Veulent» (Die Völker wollen).

Zwischen politischer Arbeit, gemeinsamem Unkrautjäten und einem unvergesslichen Gewitter legten sie den Grundstein für einen gemeinsamen Raum, um den Internationalismus durch die Völker aus dem frankophonen Raum heraus zu reflektieren.

Les Peuples Veulent[1] ist ein Netzwerk, das weltweit Menschen und Orte zusammenbringt, die sich für den Aufbau einer revolutionären und internationalistischen Praxis engagieren. Die Initiative ist aus der «Cantine Syrienne» hervorgegangen. Seine Geschichte beginnt im Jahr 2019, im Zuge eines Jahrzehnts weltweiter Aufstände: Die «Cantine Syrienne», ein Kollektiv aus den Pariser Vororten, das syrische Revolutionär·innen im Exil und Aktivist·innen aus verschiedenen Ländern vereint, lanciert eine Einladung zu einem internationalen Treffen. Das Ziel, das sich seitdem immer weiter verfestigt hat: Erfahrungen aus unseren Kämpfen auszutauschen, um unsere kollektiven Fähigkeiten zur Analyse und zur konkreten gegenseitigen Hilfe zu stärken.

Es folgten weitere Treffen in Montreuil im November 2025 und in Marseille im Jahr 2024, an denen sich Revolutionäre aus neuen Regionen beteiligten. Das Netzwerk hat sich nach und nach von der «Cantine Syrienne» verselbstständigt und ein Manifest[2] verfasst, das in mehrere Sprachen übersetzt und veröffentlicht wurde, und mehrere Arbeitsschwerpunkte entwickelt: die Verbindung zwischen Kämpfen und Revolutionen als politischer Kompass, den Aufbau eines Netzwerks konkreter gegenseitiger Hilfe durch das Projekt «Mujawara» (selbstorganisierte Orte, die sich koordinieren, um die Mitglieder des Netzwerks und darüber hinaus finanziell, materiell und politisch zu unterstützen) sowie der Wille, im Kulturkampf gegen das Monopol der Massenmedien Einfluss zu nehmen, indem die Stimmen derer verbreitet werden, die vor Ort kämpfen. Derzeit bilden sich regionale Gruppen innerhalb des Netzwerks: Im Februar 2025 brachte die Asien-Gruppe in Chiang Mai bereits Kollektive und Aktivist·innen aus Kasachstan bis China sowie asiatische Diasporagruppen aus Europa zusammen. Im Rahmen derselben Bewegung hat sich eine geografische Gruppe für den französischsprachigen europäischen Raum gebildet, deren drittes Treffen bereits stattfand.

Mehr als nur eine Mahlzeit teilen

Etwa zwanzig Personen beleben den Bauernhof «Mas de Granier», der auch einige Menschen im Exil beherbergt, die in Arles eine Ausbildung absolvieren und am täglichen Leben teilhaben. Einer von ihnen verfolgte das Treffen mit ungebrochener Neugier. Herzlich zur Teilnahme eingeladen, fand er sich inmitten von Diasporagruppen aus aller Welt wieder und tauschte sich mit Menschen aus, deren Lebenswege Kontinente durchquerten, die er selbst derzeit noch nicht bereisen kann. Ob formell oder nicht – diese Momente waren für ihn wie auch für andere vom Mas eine Möglichkeit, die Kämpfe und die sich entwickelnde internationale Solidarität ein wenig greifbarer zu machen.

Am Samstagabend, nach zwei Tagen voller Sitzungen, legte ein grosser Teil der Versammlung die Theorie beiseite, um beim Jäten des Tomatenfeldes mitzuhelfen. Dieses grosse Feld wird etwa drei Tonnen Tomaten liefern, die zu Tomatensosse verarbeitet und unter Kamerad·innen, solidarischen Kantinen in Marseille und den Bewohner·innen des Mas aufgeteilt werden. Eine sehr konkrete Art, das zu verwirklichen, was das Netzwerk als «materielle gegenseitige Hilfe» bezeichnet: Mit ein und derselben Geste, die Kämpfe von morgen und die Tische von heute zu versorgen.

Das politische Ziel

Über diese Momente des gemeinschaftlichen Lebens hinaus bestand das zentrale Ziel des Treffens darin, darüber nachzudenken, welche Rolle Les Peuples Veulent auf lokaler Ebene spielen können. Zudem wurde eine strategische Analyse in Angriff genommen, bei der die Teilnehmenden mit komplexen Fragen (Militarisierung, Krieg, Faschismus, Revolution) konfrontiert wurden, wobei ein Kernpunkt der Diskussionen im Vordergrund stand: Das Bündnis zwischen dekolonialen Kämpfen und denjenigen der Exilierten ist von zentraler Bedeutung, um gemeinsame Handlungsweisen zu konzipieren und zu strukturieren. Weitere Treffen sind bereits geplant, und es wurden mehrere Arbeitsgruppen ins Leben gerufen, um dieses Projekt voranzutreiben. Das politische Ziel von Les Peuples Veulent gliedert sich in drei Aufgaben: den Aufbau transnationaler Verbindungen zwischen Revolutionär·innen verschiedener Strömungen, zwischen Formen von selbstverwalteten Einheiten sowie Exilgemeinschaften und Diasporas. Den Aufbau eines Netzwerks zur materiellen gegenseitigen Hilfe. Und die Verbreitung einer internationalistischen revolutionären Kultur. Sei es durch Treffen, Festivals, Tourneen, mobile Bildungsangebote oder mehrsprachige Medien, um der Offensive reaktionärer Netzwerke entgegenzuwirken und die Erfahrungen der Aufstände der letzten Jahre wieder greifbar zu machen.

Tanzen im Regen

Am letzten Tag brach auf dem Mas de Granier ein heftiges Gewitter los: Strom- und Wasserausfälle, Zelte, die eilig unter der Scheune zusammengefaltet werden mussten, und vom Blitz getroffene Bäume, die quer über die Strasse gefallen waren – all das konnte die Begeisterung der Teilnehmenden nicht trüben. In der Runde übernahm eine befreundete Holzfällerin die Aufgabe, den Weg freizuräumen, während drinnen das Essen zubereitet wurde – eng beieinander, in geselliger Atmosphäre. Das Treffen endete mit einem Aufklaren des Himmels, bevor es zu einem festlichen Moment überging. Nach dem Essen schlossen sich die Hände zum syrischen Dabke-Tanz, dann führte ein Freund aus Mali die Gruppe in den Takamba ein, bevor jede und jeder ein Musikstück vorstellte, das ihm oder ihr am Herzen lag. Eine Art und Weise, ganz im Sinne des gesamten Wochenendes, die anspruchsvolle politische Arbeit und die Wärme eines gemeinschaftlichen Lebens miteinander verbindet.

Mila & Elisa

  1. https://thepeopleswant.org

  2. Revolutionen unserer Zeit, Internationalistisches Manifest, Zones, 2025